Stoy Schule
11
Nov
2016
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Herr Mühling MEWA

Herr Mühling von der MEWA wieder einmal zu Gast in der Stoy-Schule

Am Montag, dem 07. 11. 2016, besuchte Herr Mühling, der kaufmännische Geschäftsführer der Firma MEWA Textil-Service AG & Co. Jena die Fachschulklasse 15 der Karl-Volkmar-Stoyschule Jena, um sich im Rahmen des Faches „Unternehmensführung“ von der Klasse als Führungskraft befragen zu lassen.

Herr Mühling und die Klasse kannten sich bereits durch die Zusammenarbeit am Projekt JenaJobBlog, da die Firma MEWA einer der Unterstützer jener Internetplattform ist. Die erste Frage bezog sich auf die Arbeitszeiten in der Firma. Herr Mühling teilte mit, dass er 7 Uhr anfange. Seine Mitarbeiter arbeiten 38 Stunden in der Woche. Er selbst habe keine festen Arbeitszeiten, was er mit der Aussage ”… als Führungskraft kann man den Hammer nicht fallen lassen” untermauerte.
Die nächste Frage befasste sich mit der Rekrutierung neuer Führungskräfte. Herr Mühling teilte dazu mit, dass die MEWA aus Zeitgründen nicht mehr selbst rekrutiert, sondern eine Vorselektion durch zwei Firmen erfolgt. Für eine kürzlich ausgeschriebene Stelle lagen z.B. ca. 100 Bewerbungen vor, von denen 38 Bewerber zu einem Gespräch eingeladen und später davon zwei ausgewählt wurden. Das ist sehr zeitaufwendig und aus diesem Grund hat man sich für das Outsourcing entschieden. Gearbeitet wird dabei auch mit Interviewleitfäden und einem ”Online-Test”, der eine Art Online- Psychogramm darstellt, das anschließend mit zu einer Entscheidung führen kann.
Auf die Frage, ob die bewusste Anwendung eines Führungsstils erfolgt, überraschte Herr Mühling mit der Gegenfrage: ” Was ist für Sie Führung?”. Weiterhin teilte er mit, dass unterschiedliche Mitarbeiter eine unterschiedliche Behandlung erfahren. Wichtig dabei sind gute Menschenkenntnisse, Authentizität und Fingerspitzengefühl. Vorschriften bezüglich Du oder Sie gäbe es nicht. Herr Mühling meidet das Du und ist der Auffassung, es sei falsch, jemanden zum Du zu zwingen, es muss in die Firmenkultur passen.
Die Frage, wie oft im Unternehmen Mitarbeitergespräche geführt werden, beantwortete er mit „offiziell einmal jährlich“ (2 bis 2,5 Stunden), allerdings führt er im Tagesgeschäft immer einen regen Austausch mit seinen eigenen Führungskräften. Mit neuen Mitarbeitern gibt es ein Gespräch nach vier Wochen und einem halben Jahr. Seine Tür stehe für Gespräch aber immer offen. Viermal pro Woche geht Herr Mühling durch alle Bereiche. ”Schwarze Listen gibt es bei mir nicht, wenn mir etwas nicht passt, spreche ich es sofort an und das wünsche ich mir von meinen Führungskräften ebenfalls”, sagte Herr Mühling abschließend dazu.
Ebenso wurde er gefragt, wie viel Personalarbeit er selbst mache, woraufhin er antwortete, dass fast alles Personalarbeit sei, was er macht (etwa 70 %), da er ja mit Menschen zusammenarbeite. Personalentwicklung wird im Rahmen des Konzerns mit einem eigenen Schulungsangebot durchgeführt. Dazu gehören für Führungskräfte auch Gesprächsführung und ein Führungskräfteentwicklungsprogramm. Außerdem ist er sehr begeistert von der seit Jahren bestehenden Aktion Meet Your College. Dabei kommen Führungskräfte mit derselben Funktion zueinander. Man trifft sich am Vorabend zum Essen und gestaltet am Folgetag einen Austausch am Arbeitsplatz des Besuchten an einem anderen Standort und bespricht die tagesgeschäftlichen Herausforderungen. Laut seiner Aussage ist das so entstehende Netzwerk besser als jede Frontalschulung. Weiterhin sprach er von einem Katalog für Schulungen im Zusammenhang mit einer Interessenabfrage beim Mitarbeiterjahresgespräch. Er selbst arbeite ebenfalls mit einer
Zielvereinbarung. Auch zur Regelung bei der Vertretung des Chefs wurde er befragt und teilte uns mit, dass jeder
MEWA Standort mit zwei Geschäftsführern ausgestattet ist, einem kaufmännischen und einem technischen, die sich gegenseitig vertreten. Beide sind komplett gleichberechtigt und alleinvertretungsberechtigt (einer von beiden muss immer da sein). Auch wenn ein wenig an Arbeit liegen bleibt, läuft das Tagesgeschäft weiter. Eine weitere wichtige Frage war, wie Herr Mühling seine Mitarbeiter motiviert. Er sagte dazu, dass er es nicht mag, alles für Prämien kaufen zu müssen. Aber: Geld sei der Motivator schlechthin. Es gibt zum Beispiel eine Produktivitätsprämie im technischen Bereich. Weiterhin sprach er in diesem Zusammenhang über ein Mitarbeiterbindungsprogramm sowie Möglichkeiten zum kostenlosen Besuch eines Fitnesstudios, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, preiswertes Kantinenessen, kostenloses Wasser und die Nutzung von Arbeitskleidung im Betrieb. Das Unternehmen arbeitet nach einer Balanced Score Card, einem Konzept zur Messung, Dokumentation und Steuerung der Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Organisation im Hinblick auf seine Vision und Strategie. Das Unternehmen nutzt konsequent befristete Arbeitsverträge für zwei Jahre, z.B. auch bei der Einarbeitung von Führungskräften. Jedoch machte Herr Mühling deutlich klar, dass man generell immer auf eine unbefristete Übernahme hin arbeite, so dass sich der Einarbeitungsaufwand lohnt. „Wer nicht durch ständige Abwesenheit glänzt oder wirklich dummen Unfug macht, kann bei Mewa in Rente gehen“ so seine Aussage.
Auch Auszubildende werden nach der Ausbildungzunächst für zwei Jahre befristet übernommen, allerdings bildet man am Standort nur die Auszubildenden aus, die dann auch übernommen werden können. Auf die Frage, ob er auch mal auf den Tisch haue, antwortete Herr Mühling, dass er kein Choleriker sei, jedoch jemand, der sich durchzusetzen weiß und kommunizieren kann. Die Klasse FS15 bedankt sich bei Herrn Mühling für die Beantwortung der Fragen, die in der Zukunft sicher ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen als angehende Personaler.